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Oktober 2002 bis August 2003
Entengang
21.11.2002 21:39 Uhr Gestern:Bodenarbeit: Ging so, im großen gut, aber doch starke Unsicherheit meinerseits: Wann bewege ich mich wie eine Ente, und Pferd weiß meinen Anleitungen nicht zu folgen, also Mißverständnis und wann wird er einfach nur grantelig? Gelegentlich sollte ich mich mal daran erinnern, dass ich den Umgang mit Pferden nun seit über 30 Jahren kenne, und mich schlicht auf mein Gefühl verlassen und nicht wie eine aufgescheuchte Erst-Pferde-Besitzerin durch die Gegend traben;-) Na ja, ich arbeite daran.Am Ende durfte er sich in der Halle wälzen, dann kam Bernhard mit jungen Wallach in Halle, meinte. ich könnte Orgu ruhig weiter frei laufen lassen. Aber ein junger freilaufender Hengst und ein unbekanntes Pferd? Da ich aber gerade dabei war, samt Schubkarre die Halle von Pferdeäpfeln zu säubern, hab ich zu Orgu gesagt, er soll mit kommen: Und siehe da: Er folgte mir brav. Das zeigt aber auch, dass Orgu wirklich noch ein Fohlen ist, trotz seiner 2,5 Jahre.
Gegen Futter bin ich aber übrigens chancenlos: Stellte ihn vor seine offene Box um ihn die Hufe auszukratzen, in der Box Hafer und verlockendes Heu, da will das Pony doch geradewegs da hinein laufen. Ich habe ihn angezettert, und er macht auf dem Absatz kehrt, trabt Richtung Weide, mit der Longe an der Serreta , konnte ihn gerade noch eingefangen. Dann kam er freiwillig mit. Heute: In der Halle frei longiert, klappte wunderbar, auch die Übergänge, nur auf der rechten Hand rast er mir aus dem Zirkel. Auf der linken Hand ist das kein Thema, bleibt er brav bei mir, aber rechts ging es nicht. Auch hier gilt: Wir arbeiten daran.Beim Putzen: ein Vorzeigepferd:-)
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Nutzloses mit Spaßcharakter
19.11.2002 21:49 Uhr Vormittags: Unterricht bei Anja, mit voller Montur, also mit Trense, Dreieckszügel und, Sattel. Wir haben geübt, dass er auf druck der Longe an der Hinterhand nachgibt, sprich zur Seite geht: war ok.Übertreten der Hinterhand auf kleinerem Kreis, etwas größer als eine Volte, auch das funktionierte (Merke: nicht zuviel machen, dazu ist er noch zu klein, aufpassen nicht falsch zu stehen (ich) sonst bricht er mir hinten aus, dann Übung in Ecke verlegen)Auf mein quengeln hin, dass wir endlich mal was nutzloses mit Spaßcharakter lernen wollen: Vorübungen für Verbeugen und Kompliment angefangen (und nicht nur dafür VorübungenJAuf Zügeldruck an Serreta: nachgeben, sprich Hals biegen (aber dezent), lernen Vorderhuf auszustrecken und Gewicht auf Hinterhand zu verlagern, und , natürlich, weil Grundvoraussetzung: Unangebunden in Hallenmitte stehen bleiben, egal wo ich hingehe.Das Stehen bleiben geht recht gut, zumindest wenn ich nicht weiter als drei Meter vom Pferd weg bin.
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13.11.2002 20:21 Uhr Merke: Die Kombination genervte Besitzerin und granteliger Hengst ist ganz schlecht.Hatte wieder Unterricht bei Anja und er war ziemlich frech, legt sich dann aber nach entsprechendem durchgreifen. Das hat aber Anja gemacht, und das nächste Mal, wenn ich so schlecht gelaunt bin, mach ich nix richtiges mit ihm, sondern nur nette Sachen. Das hat ja sonst überhaupt keinen Sinn.
Ansonsten beim longieren Gerte mal richtig eingesetzt: Gerte am Boden= Schritt; Gerte in halber Höhe=Trab, noch höher=Galopp; Das klappte sehr gut:-)Seitwärtsgehen aus einer Volte heraus= Streit. Die Führposition in Schulterhöhe ist noch nicht ohne, und dann trampele ich wieder zu weit vor, bin vor seiner Schnauze, versperre ihm den Weg.Wer hätte gedacht, dass richtiges Führen so anstrengend ist?Longieren heute übrigens mit Sattel, Trense und Dreieckszügeln: kein Problem:-)Beim putzen ist er brav stillgestanden, und das ohne angebunden zu sein.Ich habe ihn auf der Weide an der Straße am Strick grasen lassen, als ein großer Bus an uns vorbei kam zuckte er kurz, blieb aber ruhig. Traktoren und ähnliches danach kein Problem: Na ja, so lange er Gras unter den Hufen hat..
Eine kleine Schrecksituation gab es für ihn aber noch: In dem Dreierstall, in dem er steht, steht noch ein anderer Hengst, der schon weiter unten erwähnte etwas abgedrehte 4,5jährige Namens Parcence. Der ließ sich heute einfallen an der Seite zu seinem Nachbarn die Boxenwand hochzusteigen, die Beine zwischen dem Abstand Decke/Boxe, ( nur etwa 40 cm) zu legen und seinen Kopf dazwischen. Eine gute Methode, um schnell zum Schlachter zu kommen.Weil ich die einzige im Stall war, habe ich mir im wahrsten sinne des Wortes mit lautem Gebrüll eine Gerte geschnappt und bin zu dem Viecherl in die Box, und hab ihn so angebrüllt und still in einer Ecke stehen lassen, bis er wieder friedlich war. Als ich anschließend zu meinem Kleinen in die box ging, ist er erst einmal sicherheitshalber ganz nach hinten gegangen, nach dem Motto: Oh Gott, hoffentlich flippt sie jetzt nicht weiter rum. Aber das hat sich dann sofort wieder gelegt. Nur diesen anderen Hengst, den würde ich sofort legen lassen. Hoffentlich bin ich auch mal so vernünftig, wenn meiner sich auch so spinnert entwickelt.
Nachtrag aus heutiger Sicht: Orgu und Parcence standen ja über mehrere Monate in diesem Dreierstall. Und Parcence, der mittlerweile gelegt und ein außerordentlich freundliches, gelehriges Pferd ist, hat verschiedene Aktionen hingelegt, wo ich des öfteren wie eine Wilde in seiner Boxe toben musste. Ich denke im Nachhinein war das aus Orgus Sicht nicht schlecht: Vielleicht hat ihn das wenigstens etwas beeindruckt, auch wenn davon heute nichts mehr wirklich zu spüren ist.
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Unschuldig
Wer, bitte, möchte diesesm unschuldigen Pferd wiederstehen? (Bild aus Dezember 2002)
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Erste Erkenntnis
12.11.2002 22:19 Uhr Noch einen winzigen Nachtrag zum Umgang im Allgemeinem mit diesem Pferd. Ich finde es ziemlich schwierig der Versuchung zu widerstehen ihn zu Betüddeln und so richtig schaff ich das ja auch nicht, dieses Viecherl wickelt mich um seinen linken Huf, wenn er sich begeistert beim Kraulen streckt. Und konditioniert hat er mich auch schon: Jedesmal wenn ich ihn auf den kleinen Paddock mit E-Zaun stelle, den er hasst, und ich an ihm vorbei gehe, wiehrt er mich an. Und was mache ich: Spätestens beim drittenmal hol ich ihn runter. Na ja, in meinem nächsten Leben werd ich reich, hübsch und bin konsequent mit jungen Pferden:-)))
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Hafer satt
11.11.2002 20:29 Uhr
Heute Morgen sah ich, wie Anjas Schwiegervater die Pferde fütterte: Der 10-Liter Eimer war bis zur Hälfte voll mit Hafer.. und Orgu hatte da schon eine zeitlang gefressen ... wie sagte der alte Herr so nett (er geht auf die 80 zu): Junge Pferde brauchen viel Hafer, jaja.. Womit die Bedeutung des Sprichwortes "Den sticht wohl der Hafer" endlich klar wird. Beim spazieren gehen hat sich Orgu benommen wie eine Wildsau, immer überholt und dann hat mich der Sausack sogar gezwickt! In Erwartung meiner heftigen Reaktion hat er einen Satz nach hinten gemacht, obwohl ich noch gar nicht regaiert hatte, und dabei hat er sich auf der glatten, weil nassen Straße fast auf die Nase gelegt. Geschieht ihm Recht, passiert ist ihm aber Gott sei Dank nix:-) Tierarzt war noch mal da: Soweit isser ok, ich denke das mit den angeschwollenen Beinen kommt echt vom Heu, andere Symptome hat er nicht. Weil Orgu mich während des Spazieren gehens ja regelrecht angebettelt hat mit ihm zu Arbeiten, gab es dass dann auch: 20 Minuten longiert, mit einigen Auseinandersetzungen, Handarbeit ging danach aber recht ok. Sein Rückwärtsgehen beim putzen macht mich noch hasig, warum tut der Kerl das plötzlich? Nur wenn er nicht angebunden ist, dann steht er wie ne Eins.
 Kraulstellen, dieses Pferd besteht nur aus begeisterungsfähigen Kraulstellen!
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Von Decken und langen Zügeln
5. November + 6. November: Orgu ist vermutlich grantelig, weil er im Prinzip ja jetzt das erste Mal in seinem Leben im Winter aufgestallt ist: sprich: außer ein wenig Paddock und Entertainment durch mich hat er ja nicht gerade viel Abwechslung, ist halt ganz anderes, als den ganzen Tag auf der Weide herum zu tollen:-( Und da ich nun ja jetzt nur Abends kommen kann, kann ich noch nicht mal mit ihm spazieren gehen, das heißt, die Woche über bleibt uns nur die Halle, na ja, da tät ich an seiner Stelle wohl auch granteln. Ich seh mal zu, dass ich meine freien Tage mal nehme, in diesem Winter, dann kann ich auch öfter tagsüber hinfahren.
Zu allem Überfluß tummeln sich Abends in der Halle reihenweise Leute - obwohls ja eigentlich nur ein kleiner Stall ist. Am Dienstag tummelte sich da eine Frau samt ihrer hochrossigen Stute, habe dann alsbald die Halle verlassen, weil Orgu überhaupt keine Lust mehr hatte sich zu konzentrieren, sondern ganz andere Dinge offenbar viiiiel spannender fand. Und weil ich ehrlich gesagt auch keine Lust hatte in Mitten von reitenden Wesen Bodenarbeit zu machen, haben wir dann nicht so viel gemacht. Was sich gestern rächte. Anja gab uns wieder Unterricht, und das mit den Seitengängen hatten wir nicht weiter geübt. Zu allem Überfluß stellte Anja fest, dass ich mich ja viel zu viel beschnuffern lasse und endlich mal konsequent sein sollte.. Haben ihn gestern das erste Mal mit der Doppellongebzw. eigentlich nur an lange Zügel gearbeitet, also ihn an das Ding überhaupt gewöhnt und dass er auf deren Druck hin in die jeweilige Richtung weichen sollte. Machte er tadellos auch keienrlei Anstalten nach dem Menschen samt Leinen hinter ihm auszutreten. Anja meinte nur, dass sie bei ihrem Pferd geschlagene drei Wochen gebraucht habe, damit der keine Faxen macht.. "Nur, damit du mal siehst, was du für ein braves Pferd hast", fügte sie noch an, als ich mal wieder gerade dabei war mich in diesen ganzen Longen und Leinen selber zu erhängen, und selbst Orgu recht mitleidig auf mich schaute. Longieren klappt immer besser, wenn ich mal nicht gerade wieder mit grobmotorischen Störungen durch die Halle stolpere, und zu weite nach vorne komme, Orgu also den Weg abschneide und der dann - ja auch richtigerweise- anhält. Die rossige Stute trabte auch gestern abend wieder durch die Halle: Wir haben sie beide mehr oder minder ignoriert, geht halt nicht anders. Schließlich hab ich dem armen Pferd noch eine Decke anprobiert, eine von diesen "Latzdecken", die man dem Pferd also über den Kopf ziehen muss, und obwohl er diese Dinger bisher überhaupt noch nicht kennt - auch nicht "normale" Decken- hat er anstandslos mitgemacht, wenn auch mit leicht schreckgeweiteten Augen, aber er blieb brav auf der Stallgasse stehen, obwohl er nicht angebunden war.
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